WAS UNSERE PARTEI KENNZEICHNET: Die politische Kontinuität von Marx zu Lenin bis zur Gründung der Kommunistischen Internationale und der Kommunistischen Partei Italiens (Livorno 1921); der Kampf der Kommunistischen Linken gegen die Degeneration der Kommunistischen Internationale, gegen die Theorie des “Sozialismus in einem Land” und die stalinistische Konterrevolution; die Ablehnung von Volksfronten und des bürgerlichen Widerstandes gegen den Faschismus; die schwierige Arbeit der Wiederherstellung der revolutionären Theorie und Organisation in Verbindung mit der Arbeiterklasse, gegen jede personenbezogene und parlamentarische Politik.

Über den Baustreik in der Schweiz im Herbst 2025

Entgegen der weitverbreiteten Vorstellung, dass es in der „reichen Schweiz“ keinen Klassenkampf gibt, drucken wir hier den Bericht eines Gewerkschaftskollegen über den letzten Baustreik ab. Es gibt auch in der Schweiz einen zunehmenden Druck des Kapitals auf die Arbeiterklasse. Es sind besonders die migrantischen Kollegen, die die schwersten und schmutzigsten Jobs machen und die auch in den gewerkschaftlichen Klassenauseinandersetzungen in erster Linie stehen. So auch auf dem Bau. Im Herbst 2025 kam es in der Schweizer Baubranche zu mehreren Streiktagen im Rahmen der Neuverhandlungen des Gesamtarbeitsvertrages des Bauhauptgewerbes, des sogenannten Landesmantelvertrags (LMV). Obwohl die Bauwirtschaft weiterhin boomt, sinkt die Zahl der Beschäftigten. Rationalisierung und technische Veränderungen haben die Arbeitsorganisation stark verändert. Wo früher zwanzig Arbeiter pro Kran beschäftigt waren, sind es heute ungefähr noch fünf. Dennoch bleibt die Baubranche der mobilisierteste Sektor des Schweizer Proletariats, größere Demonstrationen von Arbeiter finden in der Regel hier statt.

Praktische Streikerfahrungen

Es gab letzten Herbst aufeinanderfolgende Streiktage im Tessin, in Bern, in Genf und Lausanne, in Basel sowie in Zürich. Zwischen den Regionen bestehen deutliche Unterschiede. In der französischen Schweiz oder im Tessin existiert eine relativ gefestigte Tradition, sodass viele Baustellen am Streiktag ohnehin geschlossen blieben. In anderen Regionen, etwa in Bern oder Basel, war eine aktivere Intervention notwendig, um die Arbeiter zur Arbeitsniederlegung zu bewegen. Es zeigte sich, dass der Erfolg solcher Streiktage stark von der alltäglichen Vorarbeit der Gewerkschaft abhängt. Wo in den Wochen zuvor mobilisiert und organisiert worden war, funktionierte der Streiktag beinahe automatisch; wo diese Arbeit schwächer war, musste um jeden einzelnen Arbeiter gerungen werden. Mehrfach zeigte sich, dass Arbeiter ihre Kollegen direkt zur Teilnahme am Streik aufforderten, teilweise mit der klaren Botschaft, dass Nichtteilnahme als Verrat an der gemeinsamen Sache empfunden würde. In solchen Momenten wird sichtbar, dass kollektive Kampfkraft nicht durch Organisationen von außen entsteht, sondern aus den sozialen Beziehungen innerhalb der Klasse selbst. In diesem Zusammenhang gab es auch konkrete Beispiele für autonome Klassenaktionen. Auf einer schwankenden Baustelle in Zürich, auf der die Entscheidung über den Streik offen war, erklärte der Kranführer für die kollektiv diskutierende Gruppe der Arbeiter: „Ich ziehe jetzt die Kette ein.“ Damit war die Entscheidung praktisch gefällt. Die Arbeiter verließen geschlossen die Baustelle und schlossen sich dem Streik an. In Basel wiederum erfuhren mobilisierte Arbeiter, die zu einer Baustelle gekommen waren, um den Streik durchzusetzen, dass ihre Kollegen eingeschüchtert und in Barracken eingeschlossen worden waren, um ihre Teilnahme zu verhindern. Daraufhin stürmten sie eigenmächtig die Baustelle, öffneten die Baracken, befreiten ihre Kollegen und lieferten sich eine handfeste Auseinandersetzung mit den Bauführern, wobei auch Eigentum der Baufirmen beschädigt wurde. Solche Episoden, die teilweise auch in hetzerischer Manier von der bürgerlichen Presse aufgegriffen wurden, zeigen, dass die Fähigkeit zur kollektiven, unmittelbaren Aktion keineswegs verschwunden ist. Der Streik ist keine demokratische Meinungsäußerung und keine Summe individueller Entscheidungen. Er ist eine Machtfrage. Es gibt keine Addition von Einzelmeinungen – der Streik wird durchgesetzt oder er findet nicht statt. Das stärkste Argument ist der Streik selbst, seine faktische Existenz, seine kollektive Durchsetzung.

Insgesamt ist festzustellen, dass das Klassenbewusstsein der Arbeiter weiterentwickelt ist, als vielfach angenommen wird. Sie sind untereinander gut vernetzt, kennen die internen Dynamiken ihrer Branche und ihrer Betriebe und besitzen ein klares Verständnis ihrer ökonomischen Lage.

Konkrete Bilanz

Die Streiks dieses Herbstes bewegten sich fast vollständig innerhalb des institutionellen Rahmens der Schweizer Arbeitsbeziehungen. Der Landesmantelvertrag der Baubranche ist mit rund 80 000 Beschäftigten einer der größten Gesamtarbeitsverträge des Landes. Seine Neuverhandlung folgt seit Jahrzehnten einem relativ stabilen Zyklus: Mobilisierung, Demonstrationen und punktuelle Streiktage, bevor schließlich ein neuer Vertrag abgeschlossen wird, der den sozialen Frieden für mehrere Jahre garantiert. Dieser Zyklus trägt einen zunehmend ritualisierten Charakter sowohl auf Seiten der Gewerkschaften als auch des Arbeitgeberverbandes. Gleichwohl bleibt die Teilnahme am Streik für den einzelnen Arbeiter ein bedeutender Schritt: Er exponiert sich gegenüber Vorgesetzten, riskiert Sanktionen und bewegt sich – zumindest punktuell – außerhalb der eingeübten Disziplin der Lohnarbeit. Die organisatorische Struktur der Branche spiegelt diese Integration wider. Betriebsgruppen existieren kaum noch; stattdessen dominieren regionale Branchengruppen. Gewerkschaftliche Arbeit konzentriert sich häufig auf sogenannte Fokusfirmen, in denen sowohl Gewerkschaftsmitglieder als auch Mitglieder der Arbeitgeberverbände tätig sind. Die Konflikte werden dadurch weitgehend auf eine institutionelle Ebene verlagert. Die staatstragenden Gewerkschaften fungieren dabei als in den Staat integrierte Organe, die dazu beitragen, die äußeren Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise aufrechtzuerhalten und den Klassenkonflikt innerhalb des Rahmens der demokratischen, bürgerlichen Gesellschaft zu kanalisieren.

Obwohl die Bauarbeiter der mobilisierteste Sektor der Schweizer Arbeiterklasse sind, blieb während der gesamten Streikperiode jede eigenständige, über den gegebenen Rahmen hinausgehende Dynamik der Klasse begrenzt. Die Aktionen bewegten sich vollständig innerhalb des Rahmens der Vertragsverhandlungen. Es gab nur punktuelle Ansätze unabhängiger Organisierung und keine politische Perspektive, die systematisch über die unmittelbaren Forderungen hinausging. Am Ende der Auseinandersetzungen steht ein neuer Landesmantelvertrag, der in einzelnen Punkten Verbesserungen bringt. Gleichzeitig enthält er jedoch auch neue Mechanismen der Disziplinierung und besitzt eine außergewöhnlich lange Laufzeit. Gerade dieser Punkt ist aufschlussreich und relativiert viele der erkämpften Verbesserungen. Wenn selbst im kämpferischsten Sektor der Arbeiterklasse ein relativ erfolgreicher Arbeitskampf in einer besonders langen Phase vertraglich gesicherten sozialen Friedens endet, dann spricht wenig dafür, darin den Beginn eines neuen Zyklus von Klassenkämpfen zu sehen – zumindest nicht eines, der seinen Anfang hier nehmen würde.

Die Kommunistische Perspektive

Diese Kämpfe um Löhne, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen sind notwendige und unvermeidliche Formen des Klassenkampfs. Sie entstehen aus den materiellen Bedingungen der Ausbeutung selbst und bringen Arbeiter objektiv in Gegensatz zum Kapital.

Gleichzeitig sind solche Kämpfe in der heutigen historischen Phase meist in Organisationen eingebettet, die ihrerseits in den Mechanismus des kapitalistischen Staates, in seine Rolle als „ideeller Gesamtkapitalist“ integriert sind. Gerade deshalb ergibt sich eine doppelte Realität: Einerseits müssen Kämpfe zur Verteidigung der Lebensbedingungen der Proletarier unterstützt und gestärkt werden; andererseits bleiben sie innerhalb der bestehenden Ordnung begrenzt, solange sie nicht über ihren unmittelbaren ökonomischen Rahmen hinausgehen. Die kommunistische Teilnahme an diesen Kämpfen bedeutet daher nicht, die bestehenden Organisationsformen zu idealisieren, sondern in ihnen und durch sie die elementaren Methoden des Klassenkampfs – kollektive Aktion, Solidarität, Streik – zu verteidigen und zu beleben.

Aber wir als Kommunisten dürfen niemals in diesen unmittelbaren Kämpfen aufgehen. Unsere Aufgabe besteht ebenso darin, die historische und programmatische Kontinuität des revolutionären Proletariats zu bewahren. Der rote Faden der Lehren der Kämpfe des Proletariats – das kommunistische Programm – muss ebenso unnachgiebig verteidigt werden wie die unmittelbaren Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter selbst. Nur wenn diese programmatische Kontinuität erhalten bleibt, kann die Arbeiterklasse in zukünftigen Kämpfen wieder an ihre eigene historische Perspektive anknüpfen.