WAS UNSERE PARTEI KENNZEICHNET: Die politische Kontinuität von Marx zu Lenin bis zur Gründung der Kommunistischen Internationale und der Kommunistischen Partei Italiens (Livorno 1921); der Kampf der Kommunistischen Linken gegen die Degeneration der Kommunistischen Internationale, gegen die Theorie des “Sozialismus in einem Land” und die stalinistische Konterrevolution; die Ablehnung von Volksfronten und des bürgerlichen Widerstandes gegen den Faschismus; die schwierige Arbeit der Wiederherstellung der revolutionären Theorie und Organisation in Verbindung mit der Arbeiterklasse, gegen jede personenbezogene und parlamentarische Politik.

Grundzüge der proletarischen Klassenposition

Vorwort

Der vorliegende Text ist nicht aus abstrakten Überlegungen entstanden. Er ist das Resultat einer systematischen Auseinandersetzung mit verschiedenen theoretischen Strömungen der Arbeiter:innenbewegung sowie mit Erfahrungen aus dem ökonomischen und politischen Kampffeld.

Aus dieser Auseinandersetzung haben wir unsere Konsequenzen gezogen. Wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass nur die konsequente Klassenposition eine reale Möglichkeit darstellt, dem kapitalistischen Wahnsinn entgegenzutreten.

Diese Position ist keine neue Erfindung. Sie wurde mit dem ersten kommunistischen Programm von Karl Marx und Friedrich Engels 1848 formuliert und hat das Proletariat durch seine Entwicklung und seine Kämpfe begleitet – über die proletarische Revolution in Russland bis zu den Niederlagen durch Stalinismus und Konterrevolution. In diesem Prozess ist sie fortlaufend geschärft worden.

Auf der Basis der historischen Klassenposition organisiert sich nun auch in der Schweiz wieder eine Gruppe von Genoss:innen.
Sie ist weder das Produkt reiner theoretischer Ableitungen noch blosse Kritik an anderen Strömungen. Sie ist eine eigenständige politische Position und dient als Grundlage politischen Handelns.

Nur auf dieser Grundlage wird die Verbindung von revolutionärer Theorie und Praxis möglich.

Einleitung

Die gegenwärtige Entwicklung ist geprägt von einer Zuspitzung der kapitalistischen Widersprüche. Ökonomische Krisen, imperialistische Kriege und die fortschreitende Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen sind keine getrennten Erscheinungen, sondern Ausdruck derselben gesellschaftlichen Verhältnisse.

Dass der Kapitalismus seine historischen Grenzen längst erreicht hat, zeigt sich immer deutlicher. Seine Fortsetzung bedeutet nicht Stabilisierung, sondern die Ausweitung von Zerstörung und Barbarei. Diese Entwicklung bestätigt die grundlegenden Erkenntnisse des Marxismus und damit die reale Notwendigkeit der Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise.

Während zunehmend von Krise gesprochen wird, bleiben die daraus gezogenen Konsequenzen innerhalb der bestehenden Ordnung. Politik erschöpft sich in der Wahl des kleineren Übels, in Reformprojekten oder in blindem Aktivismus, der die bestehenden Verhältnisse zementiert, statt sie ernsthaft in Frage zu stellen.

Auch dort, wo Widerstand entsteht, verbleibt er in Formen, die mit der kapitalistischen Ordnung vereinbar sind. Nationale Projekte, moralische Empörung oder Einzelkämpfe gegen bestimmte Erscheinungen ersetzen den kollektiven Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung der Arbeitskraft.

Gerade unter diesen Bedingungen zeigt sich die Notwendigkeit der eigenständigen proletarischen Position.

Die Perspektive der proletarischen Weltrevolution ist keine abstrakte Forderung, sondern die einzige reale Möglichkeit, die bestehenden Verhältnisse aufzuheben. Es geht darum, die politischen Konsequenzen des Marxismus praktisch wirksam zu machen: Klassenkampf und Revolution.

Im Folgenden wird diese proletarische Klassenposition in ihren Grundzügen umrissen:

1. Imperialismus

Kapital, Staat und Krieg

Der Kapitalismus hat sich weltweit durchgesetzt und den gesamten Planeten der kapitalistischen Produktionsweise unterworfen. Es existieren keine Räume mehr ausserhalb des Weltmarktes. Alle Nationalökonomien stehen unter seinem Zwang.

Mit dieser globalen Durchsetzung hat der Kapitalismus jeden historisch progressiven Charakter verloren. Die Entwicklung der Produktivkräfte gerät zunehmend in Widerspruch zu den kapitalistischen Produktionsverhältnissen.

Die Fortsetzung dieser Produktionsweise äussert sich notwendig in Krisen, Zerstörung und Krieg.

Die Entwicklung des Kapitals führt zur wachsenden Konzentration wirtschaftlicher Macht, zur Monopolbildung und zur immer engeren Verbindung von Staat und Kapital.

Der Staat tritt als »ideeller Gesamtkapitalist« auf, als organisierter Ausdruck der Gesamtinteressen des nationalen Kapitals, und wird zum entscheidenden Instrument im imperialistischen Konkurrenzkampf.

Die Krisen des Kapitalismus entspringen seinem eigenen Wesen. Überproduktion und fallende Profitraten führen zu periodischen Zusammenbrüchen, in denen die Widersprüche offen ausbrechen, ohne aufgehoben zu werden. Die imperialistische Phase ist daher durch die dauerhafte Verbindung von Krise und Krieg bestimmt.

Der Krieg ist keine Ausnahme, sondern ein notwendiger Ausdruck der Konkurrenz zwischen den Staaten. Im Imperialismus wird Konkurrenz in letzter Konsequenz militärisch entschieden.

Alle Staaten sind in diese Dynamik eingebunden. Es gibt keine nicht-kapitalistischen Staaten und keine Ausnahmen von den Gesetzen der kapitalistischen Produktionsweise.

Unterschiede bestehen nur in ihrer Stellung innerhalb der imperialistischen Hierarchie. Auch schwächere Staaten entziehen sich dieser Dynamik nicht. Sie sind in die imperialistische Ordnung eingebunden und dem Zwang der Konkurrenz unterworfen – entweder als untergeordnete Partner oder als unterliegende Konkurrenten.

Internationalismus und Nation

Die weltweite Durchsetzung des Kapitalismus bedeutet, dass das Proletariat auf der ganzen Welt als Klasse existiert.

Auch wenn sich die Lebensbedingungen regional unterscheiden, ist seine Stellung durch das Verhältnis zum Kapital bestimmt, nicht durch nationale Zugehörigkeit.

Diese gemeinsame Lage bedeutet jedoch nicht automatisch Geschlossenheit. Die Arbeiter:innenklasse ist fragmentiert und ideologisch an die Bourgeoisie gebunden. Ihre Einheit entsteht nicht von selbst, sondern nur im Verlauf von Klassenkämpfen.

Unter den Bedingungen der weltweit etablierten kapitalistischen Produktionsweise ist jede Perspektive einer «doppelten Revolution» ausgeschlossen. Es existieren keine historischen Aufgaben mehr, die im bürgerlichen oder nationalen Rahmen gelöst werden könnten. Wo heute wieder nationale Befreiung als Ausweg dargestellt wird, hat sich längst eine Bourgeoisie als herrschende Klasse herausgebildet.

Nationale Projekte führen nicht über den Kapitalismus hinaus, sondern zur Bildung neuer Staaten, die sofort den Zwängen des Weltmarktes unterliegen und die bestehenden Klassenverhältnisse zementieren. Die Vorstellung, dass nationale Befreiung einen Schritt zur proletarischen Revolution darstellt, ist historisch überholt.

Nationalismus ist daher kein Mittel der Befreiung.

Er ordnet die Arbeiter:innenklasse den Interessen »ihrer« Bourgeoisie unter und verschleiert das Verhältnis zwischen Arbeit und Kapital.

Die internationale Perspektive ergibt sich nicht aus einem moralischen Prinzip, sondern aus den materiellen Bedingungen der kapitalistischen Gesellschaft selbst. Die Überwindung des Kapitalismus kann nur als internationaler revolutionärer Akt erfolgen.

Revolutionärer Defätismus

In imperialistischen Kriegen stehen sich keine fortschrittlichen und reaktionären Lager gegenüber, sondern konkurrierende Fraktionen des Kapitals.

Für die Arbeiter:innenklasse folgt daraus, dass sie kein Interesse am Sieg irgendeines Staates hat. Die Verteidigung der Nation bedeutet die Unterordnung unter die eigene Bourgeoisie und die aktive Beteiligung an der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Ordnung.

Revolutionärer Defätismus ist die bewusste Ablehnung dieser Unterordnung. Er richtet sich gegen jede Form des Burgfriedens, gegen die Mobilisierung im Namen der Nation und gegen die Integration der Arbeiter:innenklasse in die militärischen und ökonomischen Kriegsanstrengungen.

Es geht nicht um eine abstrakte oder pazifistische Ablehnung des Krieges. Die Perspektive besteht darin, die imperialistischen Kriege in Klassenkämpfe zu verwandeln, wie es bereits 1917 gelungen ist. Der wirkliche Gegensatz verläuft nicht zwischen Staaten, sondern zwischen Klassen.

Der Kampf gegen den Krieg ist daher untrennbar mit dem Kampf gegen das Kapital verbunden.

Revolutionärer Defätismus ist die konsequente Fortsetzung der internationalistischen Position. Die Orientierung richtet sich nicht auf den Ausgang des Krieges zwischen Staaten, sondern auf die Entwicklung des Klassenkampfes gegen alle Bourgeoisien und auf die Durchsetzung des eigenständigen Programms des internationalen Proletariats.

2. Revolution

Die Klassenfrage

Mit der Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise wurden die gesellschaftlichen Verhältnisse auf ihren grundlegenden Gegensatz reduziert. Es verbleiben zwei historisch relevante Klassen: auf der einen Seite die Klasse der Eigentümer:innen der Produktionsmittel, die sich den Mehrwert aneignet, auf der anderen Seite die Klasse der Lohnabhängigen, die gezwungen ist, ihre Arbeitskraft zu verkaufen: Bourgeoisie und Proletariat.

Formen vorkapitalistischer Produktion und Subsistenz gibt es vereinzelt weiterhin, sie sind jedoch ökonomisch und politisch marginal geworden. Sie prägen nicht mehr die gesellschaftliche Entwicklung, sondern werden vom Kapital verdrängt.

Auch andere gesellschaftliche Klassen bestehen weiterhin, spielen aber keine historisch relevante Rolle. Das Kleinbürgertum wird entweder in das Proletariat hinabgedrückt oder an das Kapital gebunden. Es tritt politisch nicht als unabhängige Kraft auf, sondern bewegt sich im Rahmen der bestehenden Verhältnisse.

Das Proletariat ist die Klasse der Lohnabhängigen, deren gemeinsame Lage durch ihre Stellung im kapitalistischen Produktionsprozess bestimmt ist. Es ist keine gegebene Einheit, sondern formiert sich erst im Kampf. Es bildet die Grundlage der kapitalistischen Produktion und ist zugleich die einzige Klasse, die ihre Zerschlagung durchsetzen kann.

Die Bourgeoisie verfügt über einen geschlossenen politischen Ausdruck. Ihre verschiedenen Parteien, Institutionen und Ideologien unterscheiden sich nur in ihrer Form, nicht im Inhalt. Sie dienen alle der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Produktionsweise. Demokratie, Nation und Individuum bilden die ideologischen Grundlagen der kapitalistischen Ordnung.

Demgegenüber steht das kommunistische Programm als Ausdruck der historischen Interessen des Proletariats. Es ergibt sich nicht aus momentanen Kämpfen oder Mehrheitsverhältnissen, sondern aus der materiellen Stellung der Klasse und aus der historischen Erfahrung ihrer Kämpfe.

Die proletarische Revolution ist nicht die Fortsetzung der bürgerlichen Revolution. Sie ist nicht die Vollendung von «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit», sondern hebt diese auf.

Sie bedeutet nicht die Verallgemeinerung der bürgerlichen Gesellschaft, sondern ihre Zerschlagung. Nicht die Gleichheit vor dem bürgerlichen Staat, sondern die Abschaffung von Staat, Klasse und Warenproduktion — eine Gesellschaft nach dem Grundsatz: «Alle nach ihren Fähigkeiten, Allen nach ihren Bedürfnissen.»

Die Vorstellung, dass sich die Revolution als demokratische oder schrittweise Entwicklung vollzieht, gehört selbst zur Ideologie der bürgerlichen Gesellschaft.
Die proletarische Revolution ist ein Bruch – ein bewusster politischer Akt, in dem die bestehenden Verhältnisse gewaltsam aufgehoben werden.

Ökonomische und politische Organisation

Die Gewerkschaften sind die Organisationen, in denen sich die Arbeiter:innenklasse unter den Bedingungen des Kapitalismus für ihre unmittelbaren ökonomischen Interessen organisiert. Sie entstehen aus den Kämpfen, in denen sich das Proletariat als Klasse formiert, bleiben jedoch aufgrund ihres rein ökonomischen Charakters auf den Verteidigungskampf innerhalb des kapitalistischen Rahmens beschränkt.

Mit der voranschreitenden Entwicklung des Kapitalismus wurden die Gewerkschaften immer weiter in die bestehenden Verhältnisse integriert. Sie sind zu stabilen Bestandteilen der kapitalistischen Produktionsweise geworden und wirken auf die Aufrechterhaltung des Klassenfriedens hin.

In dieser Funktion treten sie als Organe des ideellen Gesamtkapitalisten auf. Sie greifen in die Klassenkämpfe ein, begrenzen sie und führen sie in die Bahnen der kapitalistischen Ordnung zurück.

Sie bleiben zugleich die Organisationen, in denen sich die Klasse im Kapitalismus formiert, und sind als solche eine Schule des Klassenkampfes.

Doch ihr rein ökonomischer Charakter setzt ihnen klare Grenzen. Ihr Kampf bleibt auf die Verteidigung der Arbeits- und Lebensbedingungen innerhalb der Lohnarbeit beschränkt und kann diese nicht aufheben. Ihnen fehlt die politische Ebene, die über diese unmittelbaren Kämpfe hinausweist.

Die Partei dagegen ist der politische Ausdruck der Klasse und trägt ihr historisches Programm. Sie ist nicht Ausdruck der unmittelbaren Kämpfe, sondern der historischen Interessen des Proletariats.

Die Partei ist keine Vertretung der Klasse im demokratischen Sinn und keine Organisation, die aus den unmittelbaren Kämpfen hervorgeht. Sie ist Ausdruck der proletarischen Position und des kommunistischen Programms.

Dieses Programm ergibt sich aus der historischen Erfahrung des Klassenkampfes und existiert unabhängig von seiner jeweiligen Konjunktur. In der Partei wird es festgehalten und gegen alle Abweichungen verteidigt.

Ihre Aufgabe besteht darin, diese Kontinuität zu wahren, an den Klassenkämpfen teilzunehmen, sie zu befördern und zu unterstützen sowie die proletarische Position zu verbreiten und die Klassenlinie gegen jede Vermischung mit bürgerlicher Ideologie zu verteidigen.

Darin steht sie im Gegensatz zu den opportunistischen Verirrungen, die den Klassenkampf seines antagonistischen Charakters berauben und damit die grösste Gefahr für die historische Aufgabe des Proletariats darstellen.

Kampf gegen den Opportunismus

Opportunismus bezeichnet die Abweichung von der Klassenlinie und die Anpassung der Arbeiter:innenbewegung an die bürgerliche Ordnung – in all seinen Formen, von der Sozialdemokratie über die stalinistische Konterrevolution bis hin zu seinen heutigen Erscheinungen, in denen reale Verhältnisse wie Klimakrise, Unterdrückung oder Krieg losgelöst von den Klassenverhältnissen betrachtet und in moralische oder individualisierte Reflexe aufgelöst werden.

Sein Kern besteht in der Abweichung von der fundamentalen Trennlinie zwischen Arbeit und Kapital. An die Stelle des Klassenantagonismus treten andere Bezugspunkte wie Demokratie, Nation, Zivilgesellschaft oder moralische Kategorien. Dadurch wird der Klassenkampf entstellt und in Formen überführt, die mit der kapitalistischen Ordnung vereinbar sind.

Auch dort, wo er sich radikal gibt, überschreitet der Opportunismus nicht den Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft. Blinder Aktivismus, Voluntarismus und politische Inszenierung ersetzen die Analyse der materiellen Verhältnisse. Der Marxismus wird damit seiner Grundlage beraubt und in eine beliebig einsetzbare Ideologie verwandelt.

Der Opportunismus ist keine blosse ideologische Abweichung, sondern erfüllt eine reale politische Funktion innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft. Er stabilisiert diese Ordnung, indem er die Arbeiter:innenklasse auf der politischen Ebene in ihre Bahnen zurückführt und ihre Kämpfe ihrer revolutionären Perspektive entzieht.

Der Kampf gegen den Opportunismus ist daher keine Nebensache, sondern eine grundlegende Bedingung revolutionärer Politik. Er bedeutet den Bruch mit allen politischen Erscheinungen, die den Klassenkampf an die kapitalistische Ordnung binden, und seine Ausrichtung auf die revolutionäre Überwindung dieser Verhältnisse.

Staat und Klassenherrschaft

Der Staat ist keine neutrale Instanz, sondern seit seiner Entstehung der organisierte Ausdruck der jeweiligen herrschenden Klasse. In der kapitalistischen Gesellschaft tritt er als ideeller Gesamtkapitalist auf. Er sichert die äusseren Bedingungen der kapitalistischen Produktion und die Interessen des nationalen Kapitals.

Der Staat tritt nicht nur als politisches, sondern zunehmend auch als ökonomisches Machtzentrum auf. Diese Entwicklung hebt seinen Klassencharakter nicht auf, sondern bringt ihn immer klarer zum Ausdruck.

Zugleich bildet der Staat das Monopol der gesellschaftlichen Gewalt. In ihm setzt die herrschende Klasse ihre Interessen gegen innere und äussere Gegner durch und übt die Diktatur des Kapitals aus.

Die Verstaatlichung der Produktionsmittel ist keine Zwischenetappe. Sie bedeutet nicht die Abschaffung der Klassenverhältnisse, sondern deren Erhaltung unter direkter Kontrolle des Staates, der nun selbst als Eigentümer agiert.

So zeigt sich etwa in der stalinistischen Entwicklung des Staatskapitalismus, dass die Überführung des Eigentums in staatliche Verwaltung den kapitalistischen Charakter der Produktion nicht aufhebt.

Der Staat kann daher kein positiver Bezugspunkt für die Arbeiter:innenklasse sein. Er ist das zentrale Instrument der bürgerlichen Herrschaft, nach innen gegen das Proletariat wie auch im imperialistischen Konkurrenzkampf nach außen. Die proletarische Revolution bedeutet nicht die blosse Übernahme des bestehenden Staates. Sie bedeutet seine Zerschlagung. Der bürgerliche Staatsapparat kann nicht in ein Instrument der Befreiung verwandelt werden.

Die Diktatur des Proletariats bezeichnet die organisierte politische Herrschaft der Arbeiter:innenklasse nach dem revolutionären Bruch. Sie ist notwendig, um die Bourgeoisie zu entmachten, ihre konterrevolutionären Bestrebungen niederzuhalten und die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse durchzusetzen.

Sie ist als politischer Kampfprozess zu verstehen, in dem die alte Ordnung zerschlagen und die Bedingungen ihrer Wiederherstellung beseitigt werden.

Sie ist Teil des revolutionären Kampfes und nicht von ihm zu trennen. Sie ist das Werkzeug des organisierten revolutionären Proletariats zur Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln, zur Aufhebung der Warenproduktion und zur Überwindung der Klassenverhältnisse.

3. Marxistische Grundlagen

Historischer Materialismus

Der historische Materialismus ist die wissenschaftliche Methode zur Erfassung der historischen Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Seine Aussagen ergeben sich aus der Analyse der materiellen gesellschaftlichen Verhältnisse, nicht aus moralischen oder politischen Zielsetzungen.

Die Geschichte der Gesellschaften ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Gesellschaftliche Entwicklung wird durch die materiellen Bedingungen der Produktion bestimmt und durch die daraus hervorgehenden Klassenverhältnisse vorangetrieben.

Jede neue Gesellschaftsform ist aus revolutionären Umwälzungen hervorgegangen und hat neue Produktionsverhältnisse und neue Klassen hervorgebracht. Mit jeder bildete sich eine neue herrschende Klasse heraus, während die alten Verhältnisse beseitigt wurden.

Der Kapitalismus hat diese Entwicklung auf eine neue Stufe gebracht. Er hat die Gegensätze auf zwei grundlegende Klassen zugespitzt und zugleich eine Klasse hervorgebracht, die überall unter denselben objektiven Bedingungen existiert.

Damit entsteht erstmals die materielle Grundlage dafür, dass die revolutionäre Aufhebung der bestehenden Verhältnisse nicht zur Etablierung einer neuen herrschenden Klasse führt, sondern zur Aufhebung der Klassenverhältnisse selbst.

Die marxistische Theorie ist keine politische Konstruktion. Sie ist das Produkt der historischen Entwicklung des Klassenkampfes und bestimmt die Bedingungen, unter denen der Kapitalismus überwunden werden kann.

Die Aufhebung der Klassenverhältnisse und der kapitalistischen Produktionsweise führt zur kommunistischen Gesellschaft als Gemeinschaft freier Menschen, in der Produktion und gesellschaftliches Leben nicht mehr der Warenproduktion, der Verwertung und der Klassenherrschaft unterworfen sind.

Invarianz des Marxismus

Der Marxismus ist keine Theorie, die je nach Umständen verändert werden kann. Seine grundlegenden Bestimmungen ergeben sich aus der konsequenten Analyse der kapitalistischen Produktionsweise und behalten ihre Gültigkeit, solange diese besteht.

Die Koordinaten des Marxismus sind daher nicht relativ. Sie sind an die materiellen Bedingungen gebunden, aus denen sie hervorgehen. Solange die kapitalistische Produktionsweise fortbesteht, bleiben auch diese Koordinaten bestehen.

Der Marxismus bildet eine geschlossene theoretische Einheit. Seine einzelnen Bestimmungen können nicht voneinander getrennt, verändert oder nach Bedarf neu zusammengesetzt werden, ohne seinen Zusammenhang aufzulösen.

Die revolutionäre Theorie ist das Resultat der historischen Entwicklung des Klassenkampfes. Sie ergibt sich nicht aus den jeweiligen unmittelbaren Bedingungen, sondern aus den zusammenhängenden Lehren dieser Entwicklung.

Gerade unter den Bedingungen der andauernden konterrevolutionären Phase wird dieser Zusammenhang leicht aufgegeben. An die Stelle der Theorie treten Neuinterpretationen, Ergänzungen und scheinbare Aktualisierungen.

In ihnen wird der Marxismus seines Zusammenhangs und seines revolutionären Gehalts beraubt.

Versuche, die Theorie aus der begrenzten Perspektive der jeweiligen Phase neu zu erfinden, führen notwendig zu ihrer Entstellung.

Neue Entwicklungen und Veränderungen der kapitalistischen Gesellschaft müssen konkret analysiert werden. Dies bedeutet jedoch nicht die Revision der marxistischen Grundlagen, sondern ihre Anwendung auf die Bedingungen der jeweiligen historischen Phase.

Die Invarianz des Marxismus besteht in der Verteidigung seines Zusammenhangs gegen jede Form der Verzerrung und Entstellung. Sie ist kein Festhalten an überholten Positionen, sondern folgt aus der historischen Kontinuität des Klassenkampfes.

Konklusion

Die dargestellten Positionen beruhen nicht auf abstrakten politischen Vorstellungen. Sie ergeben sich aus der Analyse der kapitalistischen Gesellschaft, den Erfahrungen des Klassenkampfes sowie der historischen Entwicklung der Arbeiter:innenbewegung.

Die gegenwärtige Phase ist durch die Schwäche des Klassenkampfes und die Dominanz der bürgerlichen Ideologie geprägt. Gerade unter diesen Bedingungen verschwinden die grundlegenden Bestimmungen des Marxismus nicht, sondern treten in ihrer Notwendigkeit umso klarer hervor.

Die Verteidigung der proletarischen Klassenposition wird daher zur historischen Notwendigkeit. Sie richtet sich gegen jede Unterordnung unter Staat, Nation und Demokratie sowie gegen jede Auflösung der Klassenlinie.

Diese Position wurde in den entscheidenden Kämpfen der Arbeiter:innenbewegung herausgebildet, verteidigt und weitergetragen – auch unter Bedingungen der Niederlage und der Konterrevolution.

In dieser Kontinuität steht die Internationale Kommunistische Partei.

Was unsere Partei kennzeichnet:
Die politische Kontinuität von Karl Marx zu Wladimir Lenin bis zur Gründung der Kommunistischen Internationale und der Kommunistischen Partei Italiens (Livorno, 1921); der Kampf der Kommunistischen Linken gegen die Degeneration der Kommunistischen Internationale, gegen die Theorie des «Sozialismus in einem Land» und die stalinistische Konterrevolution; die Ablehnung von Volksfronten und des bürgerlichen Widerstandes gegen den Faschismus; die schwierige Arbeit der Wiederherstellung der revolutionären Theorie und Organisation in Verbindung mit der Arbeiter:innenklasse, gegen jede personenbezogene und parlamentarische Politik.

 

INTERNATIONAL COMMUNIST PARTY PRESS